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Das November-Vorwort: Aufgeregt und gar nicht still

Liebe Leserinnen und Leser,

wie ich es schon in der letzten Ausgabe schrieb, sind die aufregenden Zeiten, wenngleich nur bezogen auf die Kommunalwahlen, erst einmal vorbei.

Eine gewisse Stille könnte nunmehr – passend zur dunkleren Jahreszeit – Einzug halten, wenn es nicht an anderen Stellen so sehr rumoren würde, wenn nicht aufgeregtes Geflatter die Parteien in Land und Bund beschäftigen würde und die Medien einfach nicht aufhören, aus winzigsten Kleinigkeiten ein Soufflé an aufgeblasenen Nickligkeiten zu präsentieren.

Natürlich gibt es genug Dinge, die uns beunruhigen sollten; nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb unseres Landes oder unserer privaten Einflusssphären.

Der Blick über den großen Teich präsentiert uns eine relativ nichtssagende Figur aus Anzüglichkeiten und Größenwahn, eine Figur, die acht Friedensnobelpreise verdient haben will, ohne je Besonderes geleis­tet zu haben. Damit schon und vermutlich aus genau diesem einen Grund ist er eine Kuriosität. So etwas passiert, wenn das eigene Ego größer ist als die realen Möglichkeiten oder gar die eigene Selbsteinschätzung. Wir hier auf dem alten Kontinent können das gar nicht so richtig nachvollziehen, denn während dieser eine mit großer Klappe herumtönt, steht gegenüber ein bis an die Zähne bewaffneter Staatslenker, der wiederum seine ganz eigene Vorstellung von der Welt und ihrer Aufteilung hat und uns so andere Sorgen beschert. Aufregend dabei ist natürlich auch, dass die Beeinflussung über vorwiegend die sozialen Netzwerke von Facebook über Truth Social und Telegram bis TikTok oder was da sonst noch im Netz herumfleucht, unter Zuhilfenahme von sog. Bots große Beiträge dazu leistet, die Gesellschaft auseinanderzudividieren. Schließlich ist nichts gelähmter als ein heillos in sich zerstrittenes Gemeinwesen, womit sich die Stoßrichtung solcher Algorithmen mit auch nur wenig Verstandesleistung durchaus erkennen lässt.

Und da sind wir dann bei dem, was mich vielleicht nicht direkt aufregt, aber auf jeden Fall umtreibt. Die eine oder der andere unter meinen Leserinnen und Lesern weiß ja vielleicht, dass mich geschichtliche Vorgänge sowohl aus beruflichem wie auch privatem Interesse neugierig machen und ich stets bemüht bin, nach Zeichen zu suchen, die auf eine Wiederholung gewisser Umstände hindeuten könnten.

Viele Bücher, die man heute zu den Vorgängen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liest, könnten dann auch den Schluss zulassen, dass uns genau so etwas bevorstehen könnte.

Ohne Sie jetzt beruhigen zu wollen, komme ich jedoch wieder und wieder zu dem Schluss – übrigens übereinstimmend mit einigen von mir sehr geschätzten, vorausschauenden und sehr intelligenten Menschen –, dass eine Wiederholung nicht möglich sein sollte, gleichwohl sich die Geschichte unseres Landes durchaus an etlichen Stellen reimt und so natürlich die Phantasie im Hinblick auf geschichtliche Relevanzen beflügelt.

Vielleicht ist es ja so, dass sich Geschichte in Wellen fortbewegt und wir uns gerade auf einer kurz vor dem Brechen stehenden Wellenkrone befinden. Ein geschickter Surfer würde sein Brett jetzt sicher ins nächs­te Wellental lenken, doch bleibt die Frage: Wo ist ein solcher Lenker? Und wie soll er es schaffen, in dieser aufgeregten und gegenüber jedermann misstrauischen Welt das ruhige Tal zu erreichen?

Im Scherz meinte ich neulich zu einem Freund: »Vielleicht sollten wir das übernehmen!« Doch muss man dabei auch zugeben, dass man nicht alles allein machen kann. Und schließlich ist dies ja, genau wie in dieser kleinen Kolumne, ein Blick vom Katzentisch in die große weite Welt, die seit Beginn der 1990er Jahre immer komplexer geworden ist.

Und damit viel Vergnügen im Heft!

Ihr

Jürgen Schliekau, Herausgeber

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Bevenser Nachrichten November 2026