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Das Februar-Vorwort: Aufgeregtes Geflatter

Liebe Leserinnen und Leser,
da ging wieder einmal ein Rauschen durch die Presselandschaft: Hat er es jetzt so gemeint oder hat er es anders gemeint?
Vor einigen Jahren wäre es als ganz normale aufgeregte Äußerung abgetan worden, so wie seinerzeit bei Helmut Kohl, der einen Spiegel-Mitarbeiter schlicht »in den Senkel« stellte, weil er von dem Magazin und den dort tätigen Journalisten eine bestenfalls negative Meinung hatte.
Heutzutage jedoch wird interpretiert, was das Zeug hält und manchmal erinnert das aufgeregte Geflatter an den alten Kultfilm »Das Leben des Brian« und die bevorstehende Steinigung wegen vorgeblicher Anrufung des Jehova.
Jetzt, da ich darüber schreibe, sind bereits 14 Tage seit dieser Talksendung vergangen und noch immer wird – vor allem in den sog. sozialen Medien – nicht nur kontrovers, sondern nahezu feindselig über den Hintergrund der Äußerungen des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein diskutiert.
Manchmal kommt es mir allerdings so vor, als sei das alles nur ein großes Ablenkungsmanöver, denn allzu offensichtlich treten ja ganz andere Probleme in unserem Land zutage. Der wohl ziemlich sicher linksextremistische Anschlag auf das Berliner Stromnetz, der viele tausend unschuldige Menschen in große Not brachte, zeigte beispielsweise deutlich auf, wo die infrastrukturellen Versäumnisse der letzten 30 Jahre für uns alle gefährlich geworden sind.
Dass die Reparatur darüberhinaus so viel Zeit in Anspruch genommen hat, ist sicher ebenfalls kritisch zu betrachten, ebenso wie die verzweifelten Bemühungen aller politischen Richtungen, mit zahlreichen Ablenkungsmanövern die wahren Ausmaße so menschenverachtender Taten zu verschleiern oder die Schuld auf imaginäre Gruppen zu schieben, also das politische Versagen zu kaschieren.
Wohl dem, der in so einem Falle eine kleine Photovoltaikanlage mit Speicher besitzt, um wenigstens die Heizung anspringen zu lassen. Gerade die kalten Wohnungen haben zudem dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach Kaminöfen deutlich in die Höhe geschnellt ist. Die Bürgerinnen und Bürger scheinen hier doch so manches Mal klüger zu sein als die Regierungen, denn sie denken mehrgleisig und, sofern sie es technisch und von der Wohnlage her können, sorgen dafür, dass ihre Versorgung mit Licht und Wärme diversifiziert und somit resilienter wird.
Ich erinnere mich der ausgehenden 1970er Jahre (als wir begannen, die Diskotheken zu erobern) mit ihren in besonders einem Jahr ausgedehnten Schneefällen. Bereits zehn Jahre vorher gab es eine Werbung im Fernsehen – immerhin schon in Farbe, falls einer etwas anderes denken sollte – der Deutschen Bahn mit dem Slogan: »Alle reden vom Wetter. Wir nicht.«
Nun, selbst das scheint sich erledigt zu haben. Im Winter 1978/1979 lag der Schnee einen ganzen Meter hoch und schwachbrüstig motorisierte Fahrzeuge (ich kaufte im Jahr darauf meinen ersten Käfer mit sagenhaften 34 PS [25 kW]) schafften es, sich nach erfolgter Räumung zumindest in den näheren Umkreis zu kämpfen. Heute reichen 15 bis 20 cm Schnee, um alles zusammenbrechen zu lassen. Dabei sind unsere Fahrzeuge stärker motorisiert, die Lokomotiven moderner, aber alles steht still.
Wir hatten natürlich nicht den Luxus einer Temperaturanzeige im Auto. Wir sind einfach losgefahren und unser Motor wusste nicht, wann es zu kalt für ihn war. Das ist bei heutigen Fahrzeugen anders; vielleicht wollen sie deshalb nicht so wie wir.
Doch kommen wir zurück zur Einleitung. Ein jeder mag die Äußerungen so interpretieren, wie er möchte. Die Presse- und Meinungsfreiheit zählen zu den höchsten Gütern einer Demokratie und sollten gar nicht erst Gegenstand derartiger Diskussionen sein. Dass es mehr als genug Fakenews gibt, ist sicher unbestritten und sollte auf fachlich-ethischer Ebene behandelt werden. Und dass auf eine unpassende Äußerung heute sofort die soziale Steinigung bis hin zur Existenzvernichtung erfolgen kann, ist abstruser Ausfluss eben dieser Meinungsfreiheit. Aus dieser Sicht kann man vielleicht durchaus hinterfragen, ob wir Menschen die Reife für die Nutzung dieser internetbasierten (a)sozialen Dienste besitzen und wenn ja, ob wir uns nicht das eine oder andere Mal zurückhalten sollten, bevor wir wieder gratismutig unsere geistigen Ergüsse in die Tastatur hämmern. Vielleicht gehen wir einfach mal wieder in die Kneipe und diskutieren bei einem Getränk darüber, denn Aug’ in Auge kommt es deutlich weniger zu diesen Ausfällen.
Jetzt wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen. Freuen Sie sich auf ein spannendes Magazin!
Ihr
Jürgen Schliekau, Herausgeber
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